Leseprobe: Papa 2.0 – Nestbau inklusive

… kann doch gar nicht so schwer sein

Also mal ehrlich, wie viele Leute haben vor uns ein zweites Kind bekommen? Und wieviele Leute haben bereits vor uns Häuser gebaut? Genau, kann doch alles gar nicht so schwer sein – auch wenn man beides auf einmal versucht.

Natürlich könnte da so einiges schief gehen. Aber ich rede mich gern damit raus, dass wir a) das erste Jahr mit dem Stammhalter eigentlich doch ganz manierlich hinbekommen haben und wir b) ja nun auch wirklich bereits mehr als genug Theater gehabt haben mit seiner Entstehungsgeschichte. Da sollte das nächste Familienkapitel doch wohl laufen, oder nicht?

Okay vielleicht sollte ich einräumen: es gab da im Laufe des ersten Jahres einige kleinere Tiefschläge … und Stürze, aber so im Großen und Ganzen ist es doch ganz gut gelaufen.
Zugegeben, daran hatte ich nicht so die mega Aktien … meistens ist dieses Wachsen und Werden ohne mein Zutun ausgekommen, aber hey, Fakt ist: Felix ist ein Jahr, wir sind noch glücklich verheiratet und weil wir nicht dauerhaft auf unseren 64 Quadratmetern hausen wollen, werden wir dieses Jahr Bauherren – und, so der Gott der künstlichen Befruchtung will, auch nochmal Eltern.

Was soll ich sagen: Bring it on, wie schlimm kann das schon werden – und das Schicksal fiel lachend vom Stuhl.
Freundlicherweise hat es meine Bestellung dann frei interpretiert weitergegeben als: »Der Mann hat noch Kapazitäten« und schon bin ich mitten drin. Ich sag nur Papa 2.0 – Nestbau inklusive.

Planung

Eine Unterschrift bitte

»Würden Sie dann jetzt bitte hier unterschreiben?«
Ich blinzele. Mein Blick fokussiert sich auf den Mann vor mir: Angegraute Schläfen, elegante rahmenlose Brille, dunkler Anzug. Kenne ich den? Woher kenne ich den? Sollte ich den kennen? Nein, den kenne ich nicht. Hilfesuchend sehe ich mich um und versuche mich zu konzentrieren.
Meine beste Hälfte sitzt links neben mir mit Felix auf dem Schoß und sieht mich erwartungsvoll an. Gut, meine Frau und mein Sohn sind da und es geht ihnen offensichtlich gut. Aber wo zum Geier … und was …
Mein Atem geht stoßweise und auf meiner Stirn bilden sich Schweißperlen.
»Ich …«, krächze ich und muss husten, denn mein Hals ist total rau. Ich greife reflexartig nach der vor mir stehenden Kaffeetasse und stelle mit wachsender Panik fest, dass sie leer ist.
»Können wir vielleicht ein Glas Wasser haben?«, höre ich wie aus weiter Ferne eine vertraute Stimme. Wieder sehe ich mich hektisch um und erkenne, dass wohl meine Liebste die Quelle selbiger war, denn der tadellos gekleidete Mensch am anderen Ende des Tisches steht auf und verlässt mit einem kurzen Nicken den Raum.
Sie wendet sich mir zu und aus ihrem Gesicht spricht Sorge. Wie durch Watte dringt ihre Stimme nochmal an mein Ohr.
»Liebling, was ist denn?«
Wenn ich das wüßte. Habe ich vielleicht gerad einen Herzinfarkt? So langsam bin ich auch mehr als nur ein bisschen beunruhigt. Meine Atmung ist immer noch total flach, und ich hab das Gefühl, als würde mir jemand den Brustkorb mit einer Zwangsjacke zuschnüren oder so. Flehentlich blicke ich sie an, denn ich bringe immer noch kein Wort heraus.
Nun wird mir auch noch schwummerig. Ich sinke ihr entgegen und bin nicht sicher, ob ich jetzt zu allem Überfluss ohnmächtig werde, aber da kriegt Felix kleine Patschhand meine Nase in die Finger und krallt sich so richtig schön mit aller Macht in der weichen Spitze fest.
Der Schmerz läßt mich aufheulen und zurückzucken.
»Autsch. Verdammt, Felix«, fluche ich – und komme endlich wieder zu mir.

– Ende der Leseprobe –

Direkt zur Vorbestellung!